Das faszinierende Leben des griechischen Komponisten von drei Kontinenten und fünf Meeren entfaltet sich durch Musik und visuelle Fragmente und spiegelt das Wesen jener Epoche wider, die ihn geprägt hat. Für den Komponisten Leo Rapitis, ein Kind einer merkwürdigen und befreiten Zeit – bevor der Schatten der Nazis Europa überzog – führte der Weg nach England, ins Land sensibler Troubadoure wie Noël Coward, Ivor Novello und der Musicals. Er brachte nach Griechenland zurück (vielleicht als Erster und Einziger) einen Hauch des Charmes des britischen Vorkriegs.
Als rätselhafte Figur der griechischen Musikszene sowohl in der Vorkriegs- als auch in der Nachkriegszeit schrieb Leo Rapitis Lieder, die von Sofia Vembo, den Kalouta-Schwestern, Nikos Gounaris und Panos Visvardis interpretiert wurden. Seine Musik klingt auch heute noch mutig nach, mit Echos einer verborgenen Vergangenheit. Erkannten seine damaligen Zuhörer ihre eigenen Leidenschaften in seinen Noten wieder? Seine Melodien, verflochten mit historischen Momenten und der emotionalen Sensibilität einer ganzen Epoche, leben weiter – neu interpretiert von zeitgenössischen Künstlern und mit neuer Bedeutung in der heutigen Musikwelt versehen. Rapitis’ Werk beweist, dass Musik, im Dialog mit der Geschichte, zeitlos wird.
Michalis Papapetrou – Dirigent, Pianist und Leiter des ERT-Chores – unternimmt es, die Musik von Leo Rapitis neu vorzustellen und den persönlichen Weg des Komponisten durch seine Lieder zu beleuchten: von Athen nach Manchester, Palästina, New York und schließlich in den Belgisch-Kongo, wo er sein Leben beendete – in dem irrigen Glauben, er habe seinen Geliebten getötet.
Die Orchestrierung greift auf die vertrauten Klangfarben der Epoche zurück, ergänzt um ein polyphones Ensemble, das die Jazzelemente seiner Musik hervorhebt. Die Geschichte von Leo Rapitis ist zutiefst bewegend: ein Mann, der zunächst von seiner Familie gezwungen wurde, einem Weg zu folgen, der nicht der seine war, sich letztlich jedoch von der Musik gewinnen ließ. Der „Dekonstruierte Webstuhl“ wird zum Symbol dieser Reise. Dieses traditionelle Webgerät verwandelt sich in einen Ort der Befreiung – das Gewebe löst sich, die Fäden treten hervor, und die Musik findet ihren Weg zurück.
Mitwirkende
Arrangements, Musikalische Leitung: Michalis Papapetrou
Visuelle Leitung: Margarita Digeni
Darstellerin: Eirini Mastora
Sängerinnen und Sänger:
Miranda Makrynioti (Sopran)
Anastasia Kotsali (Mezzosopran)
Andreas Karaoulis (Tenor)
Musiker:
Xenia Tseliga (Bajan)
Ilias Samsonov (Saxophon)
Dimitris Tingas (Kontrabass)
Michalis Papapetrou (Klavier)
